Jule Schnakenberg – Maastricht

„Egal wo Du bist, eine UWClerin oder ein UWCler zu sein bedeutet, die UWC Werte gegenseitigen Respekt und Verständnis verinnerlicht zu haben. Das Leben nach UWC hat für mich gerade erst begonnen.“

Beschreibe in drei Sätzen wer Du bist und welches UWC Du besucht hast.

Ich bin Jule Schnakenberg, bin 17 Jahre alt und ich war in der Jahrgruppe 2014-2016 am UWC Maastricht. Nächstes Jahr werde ich als Third Year Volunteer am UWC Changshu in China verbringen. Ich bin also Alumna aber immer noch in das UWC Movement involviert. Ich glaube nicht, dass UWC nach zwei Jahren vorbei ist, man ist vielleicht nicht mehr direkt am College, aber was ich gelernt habe ist, dass UWC eine Idee ist, die Du im Herzen trägst. Egal wo Du bist, eine UWClerin oder ein UWCler zu sein bedeutet, die UWC Werte gegenseitigen Respekt und Verständnis verinnerlicht zu haben. Das Leben nach UWC hat für mich gerade erst begonnen.

 

Was bedeutet das Leben nach UWC für Dich?

Für mich hat es gerade erst begonnen, aber was ich in Zukunft erwarte ist, dass Ideen fortgeführt werden, Ideen, die wir alle teilen, was ich in den letzten beiden Jahren gerade erst zu lernen begonnen habe. Ich erwarte auch ein Netzwerk nutzen zu können, welches ich bis jetzt nur wenig genutzt habe. Es war schwer das College zu verlassen, wie als würde jemand einen Teil von mir wegnehmen, etwas ist verloren gegangen; aber nur weil wir nicht mehr am selben Platz sind, heißt das nicht, dass wir nicht füreinander da sein können.

 

Wie hast Du persönlich von UWC profitiert?

Ich bin als Person gereift. Als ich ans UWC kam war ich 15 und als behütetes Kind aufgewachsen. Nicht, dass das negativ sei, aber es gab einfach vieles, das ich nicht wusste. Ich dachte, weil ich aus Deutschland komme, bin ich offen und respektvoll zu jedem, aber es gibt Dinge, die tief in einer Person verwurzelt sind, und die lernte ich zu hinterfragen und zum ersten bewusst wahrzunehmen. UWC hat mich auch selbstständiger und von meiner Familie unabhängiger werden lassen. Ich habe gelernt Fehler einzugestehen und Probleme mit einem Gespräch zu lösen. Aber allem voran habe ich gelernt, dass es Stärke zeigt, sich zu entschuldigen und dass negatives Feedback und Kritik manchmal wichtig sind. Natürlich habe ich auch viel über die kleinen Dinge im Leben gelernt, wie ich meinen Alltag selbst gestalte und meine Zeit einteile. Ich weiß, es klingt wie ein Cliché, aber in diesen zwei Jahren habe ich durch Geschichten und das Verhalten von so vielen verschiedenen Menschen die Welt erlebt.
Ich würde sagen, ich wurde durch UWC von einem Stein zum Diamanten geschliffen. Ideen, an denen ich interessiert war, haben sich erst in diesen zwei Jahren konkretisiert und verfestigt.

 

Wenn Du UWC in drei Worten beschreiben müsstest, wie hat sich die Definition vor Deiner Zeit am College zu Deiner Definition jetzt geändert?

Bevor ich ans UWC kam habe ich Sommercamp-Atmosphäre, Austausch und Weltfrieden erwartet. Ich weiß nicht mehr so genau, was ich eigentlich erwartet hatte, aber vielleicht war es ein bisschen des „Jeder sitzt im Kreis und man singt zusammen“ Gefühls.
Die Worte, die ich jetzt benutzen würde sind, eine Reise zu einem selbst – ups, das sind schon drei Worte… Wow, das ich echt schwierig zu sagen, aber ich tippe auf abenteuerlich und eine große Familie. Ich glaube ich wurde realistischer, musste in Rahmenbedingungen arbeiten, um das zu erreichen, was ich wollte und musste akzeptieren, dass jeder seine eigenen Erfahrungen macht und von UWC etwas anderes mitnimmt. Es können nicht einfach zwei Jahre Ferien und Spaß sein. Trotzdem würde ich sagen, dass ich ein bisschen näher an den Weltfrieden gekommen bin durch so eine große weitreichende und wunderbare Familie.

 

Ein Ratschlag oder ein paar letzte Worte? Etwas, das Du noch loswerden möchtest?

Wahrscheinlich fällt mir erst morgen irgendetwas Intelligentes ein, aber wenn ich jetzt was sagen müsste, wäre es: „Sei kritisch gegenüber UWC, hinterfrage Deine Erwartungen. Und an alle Alumni dort draußen, Ich will euch kennen lernen und diese tolle Familie vergrößern. Stärkt das Netzwerk und helft einander!
Ich will, dass dies nur der Anfang und nicht das Ende meiner UWC Experiences ist.

(Interview und Fotos: Sophie Seydel, Hamburg 13.06.2016)