Wer bist du?
Ich bin Eren Barlas, 20 Jahre alt, lebe überwiegend in Berlin und habe von 2021 bis 2023 das UWC in Hongkong besucht. Aktuell befinde ich mich im letzten Semester meines Studiums und absolviere parallel ein Praktikum in einem Startup. Gleichzeitig beschäftige ich mich intensiv mit Unternehmertum. Ich habe bereits eigene Ideen aufgebaut und gegründet und möchte auch künftig an Projekten arbeiten, bei denen aus einer ersten Idee etwas Reales und Wertstiftendes entsteht.
Ich würde mich als neugierig, ambitioniert und humorvoll beschreiben. Sport spielt in meinem Leben eine große Rolle. Ich war viele Jahre Leistungsschwimmer und bin bis heute stark mit dem Wasser verbunden. Außerdem gehe ich gerne laufen, Fahrrad fahren und tauchen. Zudem engagiere ich mich als Sanitäter und Rettungsschwimmer. Reisen, neue Perspektiven und der Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten gehören ebenfalls zu den Dingen, die mich besonders ausmachen.
UWC-Erinnerungen
Eine meiner prägendsten Erinnerungen ist meine erste Fahrt mit der Star Ferry in Hongkong. Nachdem ich während der Pandemie zunächst die Quarantäne und die Ankunft auf dem Campus erlebt hatte, stand ich zum ersten Mal auf der Fähre, sah auf die Skyline und realisierte plötzlich: Das ist jetzt wirklich mein Leben. Ich war 15 Jahre alt, weit weg von zu Hause, und vor mir begann ein vollkommen neuer Abschnitt. Dieser Moment wurde für mich zu einem frühen Reflexionspunkt: Wo stehe ich gerade, was liegt vor mir und wohin möchte ich noch kommen? Solche Momente suche ich bis heute immer wieder bewusst, auch an anderen Orten der Welt.
Ebenso besonders waren die Geburtstage, die ich während meiner UWC-Zeit gefeiert habe. Es waren meine ersten Geburtstage ohne meine Familie. Gleichzeitig war ich von Menschen umgeben, die wenige Monate zuvor noch völlig fremd gewesen waren und innerhalb kurzer Zeit zu engen Freunden wurden. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Gemeinschaft auch weit weg von zu Hause entstehen kann und dass aus unterschiedlichen Hintergründen echte Verbundenheit wachsen kann.
Daneben gehören viele weitere Erlebnisse zu meiner UWC-Zeit: das Zusammenleben mit vier Personen in einem Zimmer, gemeinsame Veranstaltungen in Hongkong und die Tauchausbildung, durch die eine bis heute bestehende Leidenschaft entstanden ist. Gerade die Mischung aus großen Erlebnissen und scheinbar kleinen Alltagssituationen hat diese zwei Jahre für mich so prägend gemacht.
Wie beeinflusst UWC dein Leben bis heute?
UWC begleitet mich bis heute in nahezu allen Lebensbereichen. Die zwei Jahre in Hongkong waren für mich eine wichtige Grundlage für meinen weiteren akademischen, beruflichen und persönlichen Weg. Dort habe ich gelernt, hohe Erwartungen an mich selbst mit Struktur, Kontinuität und Eigenverantwortung zu verbinden. Bis heute ist diese Erfahrung für mich ein innerer Bezugspunkt: Wenn ich diese Herausforderung damals bewältigen konnte, kann ich auch den nächsten Schritt angehen.
Besonders prägend ist das internationale Netzwerk, das aus dieser Zeit entstanden ist. Meine Freunde leben heute in unterschiedlichen Ländern und verfolgen sehr verschiedene akademische und berufliche Wege. Trotzdem unterstützen wir uns weiterhin, etwa bei Bewerbungen, Praktika, Interviews oder neuen Projekten. Gerade weil unsere Wege so unterschiedlich sind, entstehen Perspektiven und Verbindungen, auf die keiner von uns allein gekommen wäre.
UWC hat mir außerdem gezeigt, dass Initiative auch mit vergleichsweise kleinen Mitteln langfristig Wirkung entfalten kann. Während meiner Zeit dort durfte ich selbst einen Kurs für Rettungsschwimmer und fortgeschrittene Schwimmer aufbauen und leiten. Zu wissen, dass dieses Angebot später weitergeführt wurde und auch heute noch angeboten wird, bedeutet mir bis heute viel. Es erinnert mich daran, dass man nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten muss, um einen konkreten Beitrag zu leisten.
Am stärksten wirkt UWC für mich deshalb nicht als abgeschlossener Abschnitt, sondern als Ausgangspunkt: durch Freundschaften, gemeinsame Werte, internationale Offenheit und die Überzeugung, dass Ambition und Verantwortung zusammengehören.
Deine Tagesroutine?
Mein Tag beginnt meistens zwischen 6 und 7 Uhr mit Sport. Je nach Tag gehe ich laufen, schwimmen oder Fahrrad fahren. Das Training hilft mir, wach zu werden und bietet mir einen wichtigen Ausgleich. Vor allem gibt es meinem Tag von Anfang an Struktur. Weil Studium, Arbeit und eigene Projekte viel Zeit einnehmen, lege ich den Sport bewusst in den Morgen. So bleibt er auch in intensiven Phasen ein fester Bestandteil meines Alltags.
Am Vormittag kümmere ich mich in der Regel zuerst um die anspruchsvollsten Aufgaben. Das sind häufig genau die Dinge, die besonders viel Konzentration erfordern oder die man sonst gerne aufschieben würde. Wenn ich sie früh erledige, habe ich im weiteren Tagesverlauf mehr mentale Kapazität für andere Aufgaben und Entscheidungen.
Mittags koche ich meistens selbst oder nehme mir vorbereitetes Essen mit. Eine ausgewogene Ernährung ist mir wichtig, weil ich unmittelbar merke, wie stark sie meine Energie und Konzentration beeinflusst. Nachmittags folgt gewöhnlich ein zweiter Arbeitsblock. Abhängig vom Tag steht später noch eine weitere Sporteinheit oder Krafttraining an.
Was meinen Tag besonders verschönert, sind Sport, selbst gekochtes Essen und das gute Gefühl, mit einem klaren Plan in den Tag zu starten und wichtige Aufgaben wirklich abzuschließen. Genauso wichtig sind mir aber auch Zeit mit Freunden und Familie sowie die kleinen Momente, in denen man bewusst aus dem Arbeitsmodus herauskommt.
Deine Lebensweisheiten?
Drei Gedanken würde ich meinem jüngeren Ich und anderen jungen Menschen mitgeben:
1. Groß träumen und konkret handeln. Man sollte sich Ziele setzen, die zunächst vielleicht unrealistisch wirken. Ein großes Ziel allein reicht aber nicht. Entscheidend ist, es in Etappen, Aufgaben und schließlich in konkrete tägliche Schritte herunterzubrechen. Es gibt keine Garantie, dass jeder Traum genauso eintritt. Aber je früher man lernt, Vision und Umsetzung miteinander zu verbinden, desto wahrscheinlicher wird echter Fortschritt.
2. Beziehungen als echten Austausch verstehen. Ein gutes Netzwerk entsteht für mich nicht durch das bloße Sammeln von Kontakten, sondern durch ehrliches Interesse und gegenseitige Unterstützung. Je konkreter man weiß, warum man mit einer Person sprechen möchte, welche Frage man hat und welchen Mehrwert man selbst bieten kann, desto wertvoller wird der Austausch. Gerade bei vielbeschäftigten Menschen gilt: Je spezifischer und einfacher eine Anfrage ist, desto wahrscheinlicher ist eine hilfreiche Antwort.
3. Dein früheres Ich als Maßstab nutzen. Der wichtigste Vergleich ist für mich der mit der eigenen früheren Version. Andere Menschen können inspirieren und zeigen, was möglich ist. Entscheidend bleibt aber die Frage: Wo stehe ich heute, wo möchte ich hin und welche Gewohnheiten bringen mich dorthin? Ein- bis zweimal im Jahr nehme ich mir bewusst Zeit, um ehrlich zu reflektieren, was funktioniert, was nicht funktioniert und welcher Realität ich vielleicht ausweiche. Dabei geht es nicht darum, sich schlechtzureden, sondern darum, Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen.