Einblick in die Gedankenwelt einer UWC-Schülerin

Unsere Stipendiatin Lou reflektiert nach eineinhalb Jahren am UWC in Mostar ihren Weg und teilt Einblicke ihres College-Lebens

Lou feiert in diesem Sommer ihre Graduation und schließt ihre Schulzeit mit dem International Baccalaureate ab.

 

Was sind Lous Gedanken und Gefühle zum Ende ihrer Collegezeit?

Meine Ankunft am Busbahnhof in Mostar ist mittlerweile 1 Jahr, 5 Monate und 16 Tage her. Seitdem wurde diese Stadt zu einem zweiten Zuhause, wenn auch auf eine etwas andere Art und Weise, als ich es mir so manchmal vor meiner Zeit am UWC vorstellte.

Meine Idee eines UWC-Colleges war die einer Institution, die vollkommen zukunftsgerichtet ist und zu der ausschließlich Schüler*innen kommen, die die Hoffnung haben, die Welt zu verbessern. So sehr ich auch in dieser Zeit von anderen lerne und regelmäßig meine eigenen Ansichten in Frage stelle – diese Schule kann unmöglich so ideal sein, wie ich sie mir in meinen vorfreudigen Träumen ausmalte.

Letztendlich ist man, vielleicht sogar in besonderem Maße hier, vom Lernen für das IB (International Baccalaureate) und die eng geplanten Deadlines und Aufsätze auch zu großen Teilen erschöpft. Auch an einem UWC gibt es Lästereien und Nächte, in denen man lieber im eigenen, ruhigen Zimmer zu Hause schlafen würde.
Trotzdem weiß ich genau, dass all das auch zu dem gehört, was ich mir von diesen zwei Jahren erhofft habe: Durch verschiedenste Erfahrungen wachsen dürfen.

Lou und ihre Co-Years beteiligen sich an der jährlichen „Bald-for-a-Cause“-Kampagne, die Haarspenden für eine Kinderkrebsstiftung sammelt.

Die Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, durch die ich immer wieder neue Blickwinkel auf die Welt um uns herum gewinne und die zu meiner gleichaltrigen Familie wurden, sind all die Schwierigkeiten wert. Manchmal passiert es mir, dass ich während einer der Culture Nights oder Jam Sessions kurz innehalte und mir klar wird, dass mein Traum in so kurzer Zeit zur Normalität wurde.

Es ist nicht immer leicht für mich, mir stets vor Augen zu halten, wie sehr das UWC-Mostar mich bereichert hat. Aber jedes Mal, wenn ich über die Ferien nach Hause komme, werde ich daran erinnert, wie sehr mir diese Stadt mit ihren vielen Brücken und Mauern sowie die anderen Jugendlichen mit ihrer unerschöpflichen Energie ans Herz gewachsen sind.

Der Fluss Nerevta, der unterhalb der Alten Brücke (Stari Most) durch Mostar fließt

Am UWC-Mostar gibt es einen Begriff, den auch ich bald verstehen werde: Mostalgia. Eine Mischung aus Mostar und Nostalgie, eine Erinnerung daran, dass wir nicht noch einmal eine Gemeinschaft wie diese erleben werden. Wenn ich könnte, würde ich mir wünschen, meine ersten Tage hier noch ein Mal zu durchleben. Ich würde mein jüngeres Ich daran erinnern, wie schnell die Zeit vergeht und wie wichtig es ist, immer wieder durchzuatmen und mich umzuschauen – zu sehen, an welchen wundervollen Ort ich es geschafft habe.